Beratungspraxis Peter Haas-Ackermann

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Grundlegende Ideen

Ich betrachte Menschen als grundsätzlich selbst bestimmende Lebewesen, die nicht direkt bestimmbar sind, jedoch angeregt werden können, etwas anderes zu machen, als das, woran sie evt. leiden – vorausgesetzt sie wollen.

 

Dabei gehe ich von der Grundannahme aus, dass jeder Mensch die Möglichkeit in sich trägt, seine Probleme selbst zu lösen. Entweder er weiss dies (noch) nicht und/oder er hat vorübergehend keinen Zugriff auf das bereits vorhandene Wissen.

 

Ich sehe meine Aufgabe darin, meinen Kund-innen dieses in ihnen vorhandene Wissen auf neue Weise für sie nutzbar zu machen.

 

Diese Entwicklung von neuen Ideen/Einstellungen kann durch einen beraterischen Dialog entstehen, ist aber nicht plan-, resp. bestimmbar.

 

Ich gehe davon aus, dass alles in Sprache erschaffen wird, was Menschen hervorbringen. Die Sprache ist das Haus in dem wir leben und Bedeutung miteinander erzeugen.

 

Probleme sind von daher eine bestimmte Form von Bedeutung, d.h., sie werden in Sprache erschaffen und können in Sprache auch wieder aufgelöst werden.

 

Von daher ist für mich die Kennzeichnung eines Verhaltens als symptomatisch willkürlich, denn unter Umständen oder wenn ihm eine andere Bedeutung verliehen würde, wäre das gleiche Verhalten angemessen und normal.

 

Deshalb sind menschliche Systeme aus unserer Sicht als soziale Systeme nie „fehlerhaft“, da sie ihrer eigenen Logik folgen.

 

Daraus folgt, dass ich Manifestationen des Lebens (u.a. Probleme) in den Begriffen der Kunden verstehen will und nicht in vorgegebenen Begriffen von uns oder irgendwelchen etablierten Sozialtheorien (z.B. pathologischen Nomenklaturen).

 

Um die Entwicklung eines konversationalen Raumes und dialogischen Prozesses erleichtern zu können, stelle ich Fragen aus der Position des Nicht-Wissens (Goolishian/Anderson) heraus. Bedeutung und Verstehen konstruiert sich für mich somit im Verlaufe eines dialogischen Prozesses, den Menschen entwickeln, wenn sie „miteinander“ Ideen austauschen.

 

Mein Handeln zielt folglich auf die Fortsetzung des beraterischen Gesprächs, bis die gemeinsam geschaffene Wirklichkeit, die als Problem verstanden wurde, nicht mehr besteht. Respekt und echte Neugier unterstützen mich in der Absicht eine Position des Nicht-Wissens einzunehmen.

 

Das Ziel meines Tuns liegt also nicht darin, Lösungen für Probleme zu finden, sondern an einer gemeinsamen Suche teilzunehmen, in deren Verlauf starre Bedeutungen erweitert, verlagert und verändert werden, so dass sich letztlich eine Sprache entwickelt, in der das Problem sich auf-löst.

 

Mittels Fragen, befähigenden Neubeschreibungen, reflektierender Konversation (u.a. im Setting des „reflecting team“) Gebrauch von Metaphern sowie dem Erzählen von Geschichten (u.a. auch Persönliche aus meinem eigenen Leben), versuche ich meine Gesprächspartner-innen darin zu unterstützen, neue Bedeutungen für ihre „Problembeladenen“ Lebens- u. Beziehungsgeschichten, als deren Autor-innen ich sie betrachte, zu erzeugen (er-finden), die sie anregen und befähigen sich neu hervorzubringen bzw. ein angenehmeres und zufrieden stellenderes Leben (aus ihrer und nicht meiner Sicht gesehen) zu führen.

 

Therapie/Beratung verlangt grundsätzlich nicht die Veränderung von Personen. Sie beabsichtigt vielmehr, andere Handlungsweisen aus dem Repertoire des Kunden anzuregen als jene, die das Problem er-schaffen und aufrecht erhalten. Nicht die Person soll sich ändern, sondern die Auswahl der gezeigten Verhaltensweisen.

 

Ein paar Anmerkungen in Bezug auf süchtiges Verhalten
Süchtiges Verhalten ist für mich an sich so wenig ein Therapiegrund, wie sonst irgendein x-beliebiges menschliches Verhalten, da das Universum keine „Pathologie“ kennt (Paul F. Dell). Vielmehr sind alle Zustände und Erscheinungsformen eines menschlichen Organismus (einschliesslich solcher die ein Beobachter als „pathologisch“ oder „schlecht funktionierend“ klassifiziert) in diesem Organismus (gilt auch für Familien und andere soziale Einheiten) „eingebaut“, was besagt, dass auch süchtiges Verhalten als zur Ganzheit des Organismus bzw. Universums zu betrachten ist und dieser Vollständigkeit keinen Abbruch leistet.

 

Nahe liegender Weise kann dann süchtiges Verhalten als Ausdruck der persönlichen Wahl verstanden werden, zumal jeder Mensch gute Gründe hat, unter den ihm erkennbaren und zur Verfügung stehenden Handlungsmöglichkeiten jeweils jene zu wählen, die für ihn am nützlichsten und sinnvollsten erscheinen. Anerkennt man die „Richtigkeit“ (Legitimation) so eines Denkens und Handelns im Wissen darum, dass jedes andere Denken und Handeln genauso er-funden und somit weder besser noch schlechter ist, dann erlaubt dies einem sich süchtig verhaltenden Mensch – sofern er will – neue Wege zu entdecken und einzuschlagen.

 

Andererseits wäre aber auch die Fortsetzung des aussergewöhnlichen Drogenkonsums (in den Augen anderer) für ihn nicht mehr Ausdruck von „Abhängigkeit“ und keine Wahl haben, sondern Ergebnis der eigenen (für Aussenstehende vielleicht nicht unbedingt nachvollziehbaren) W a h l. Es wäre kein Leiden mehr an der Ausweglosigkeit des süchtig- sein Müssens (oder an einem anderweitigen Verhalten).

 

Diesem Konzept folgend, kann ich als Berater darauf verzichten, entscheiden zu wollen, was für den Gesprächspartner gut oder schlecht, richtig oder falsch, unnütz, krank oder sinnvoll ist. Es ist für den Organismus nicht erforderlich, die eine absolute, wahre Existenz zu „entdecken“; es gibt mehrere Möglichkeiten, in einer Umgebung zu überleben (u.U. erfolgreich zu existieren).

 

Jeder Mensch ist für sein Erleben des Lebens selber verantwortlich, weshalb jeder Mensch selber wählt, wie er lebt und ob ihm ein Angebot (z.B. beraterischer Dialog) passt oder nicht-passt. Abgesehen davon ist Kontrolle und kausale Bestimmbarkeit unmöglich, da Menschen keine trivialen Input-Output-Maschinen sind (Heinz von Foerster).

 

Von diesen Prämissen ausgehend, ist der/die Berater-in in der Lage, seinen/ihren Gesprächspartner ernst zu nehmen und ihn zu akzeptieren, wie er ist! Da auf richtig/falsch Bewertungen verzichtet wird, bleibt die Freiheit über mögliche Konsequenzen zu sprechen bzw. auf diese hinzuweisen (ohne Moral und Verurteilung).